Das schwedische Sonnensystem: ein 950-Kilometer-Roadtrip
Stell dir vor, du fährst irgendwo in Schweden auf der Autobahn und merkst plötzlich: Du bist gerade am Saturn vorbeigefahren. Bis zum Neptun sind es noch 150 Kilometer nach Norden. Das ist keine Science-Fiction — das ist das Sweden Solar System, das größte maßstabsgetreue Modell des Sonnensystems der Welt.
So funktioniert es
Ende der 1990er-Jahre hatten zwei schwedische Wissenschaftler — Professor Nils Brenning von der Königlich Technischen Hochschule (KTH) und Professor Gösta Gahm von der Universität Stockholm — eine grandiose Idee. Sie beschlossen, ein maßstabsgetreues Modell des Sonnensystems direkt auf der Karte Schwedens zu platzieren, im Maßstab 1:20.000.000.
Die Sonne ist die Stockholmer Avicii Arena (früher Globen), eine riesige weiße Kugel mit 110 Metern Durchmesser — im echten Leben eines der größten kugelförmigen Gebäude der Welt. Im Modell ist sie unser Stern.
Von dort aus geht die Reise nach Norden weiter:
- Merkur — 2,9 km vom Globen entfernt, eine Kugel mit 25 cm Durchmesser im Stockholmer Stadtmuseum
- Venus — 5,5 km, eine 62 cm große Kugel im Observatoriemuseum
- Erde — 7,6 km, im Naturhistorischen Museum (65 cm Durchmesser, mit dem Mond daneben)
- Mars — 11,5 km, U-Bahn-Station Mörby Centrum
- Jupiter — 40 km, Flughafen Arlanda: ein leuchtender Ring mit 7 Metern Durchmesser über einem Hoteleingang
- Saturn — etwa 73 km, Uppsala
- Uranus — 146 km, Lövstabruk
- Neptun — 229 km, Söderhamn
- Pluto — 300 km, am selben Ort
- Und ganz im Norden, in Kiruna (~950 km) — die Grenze der Heliosphäre
Warum das ein großartiger Roadtrip ist
Wenn man von Stockholm aus auf der E4 nach Norden fährt, durchquert man buchstäblich das Sonnensystem. Die Abstände zwischen den Planeten sind keine Dekoration, sondern echter Maßstab. Zwischen Erde und Mars liegen nur ein paar Minuten Fahrt. Bis zum Jupiter sind es schon eine halbe Stunde. Erst dann beginnt man, die Leere des Weltalls wirklich zu spüren.
Die meisten Objekte sind kostenlos zugänglich. Sie stehen an Straßen, in Parks, am Flughafen, auf Stadtplätzen. Keine Tickets, keine Führungen.
Interessante Fakten
- Das Modell umfasst mehr als 60 Objekte an 26 Standorten — Planeten, Monde, Asteroiden, Kometen
- Das erste Venus-Modell entstand 2004, zerbrach jedoch; 2011 wurde ein neues geschaffen und im Observatoriemuseum aufgestellt
- Der Jupiter am Flughafen Arlanda ist entlang des Hotelkorridors von Skulpturen der vier Galileischen Monde umgeben
- Das Projekt wird von der Schwedischen Astronomischen Gesellschaft koordiniert
Adresse: Globentorget 2, Stockholm